Wenn mich jemand gar nicht kennt und mich kennenlernt wenn ich normale Kleidung trage, die meine Schultern/Oberarme bedeckt, so ist die Verwunderung sehr groß, wenn die Leute erfahren was für Sport ich treibe. Da ich ohnehin nicht das schmalste Kreuz für eine Frau habe vermuten zwar viele schon, dass ich Sport treibe, tippen allerdings meistens aufs schwimmen.

Die verwunderte Aussage, die nach meiner Standardantwort „Haha nee, ich schwimme nicht. Ich mache Olympisches Gewichtheben und CrossFit, aber zurzeit mehr Olympisches Gewichtheben“ kommt ist also oft die gleiche: „DU? Olympisches Gewichtheben? Aber du siehst ja gar nicht so krass aus?“. Was die meisten mit „so krass“ meinen, ist nicht mal meine Figur im Sinne von „du bist nicht so krass muskulös“, sondern viel mehr in dem Sinne, dass sie Gewichtheben mit sehr korpulenten und undefinierten Frauen verbinden. Das Gewichtheben auch ästhetische Körper schaffen kann, dass liegt fern jeder Vermutung. Und hier kommen wir zu dem ersten Punkt, warum ich Gewichtheben liebe:

1.Gewichtheben macht stark, schön und selbstbewusst!

Mattie Rogers, Quelle: https://pbs.twimg.com/profile_images/752683077298708480/A9BPQl8A.jpg
Wenn man als Laie ans Gewichtheben denkt, denkt man nicht zwingend an wunderschöne, ästhetische Frauen. Natürlich muss auch ich zugeben, dass die Frauen die z.B. mit Medaillen aus den vergangenen Olympischen Spielen gegangen sind auch nicht meinem Schönheitsideal entsprechen. Allerdings gibt es auch schöne, sehr erfolgreiche Athletinnen, wie z.B. Julia Schwarzbach: eine erfolgreiche deutsche Gewichtheberin, Olympiateilnehmerin und gut aussehende junge Frau. Sehr bekannt ist auch Mattie Rogers aus den USA, die in der Gewichtsklasse -69 kg eine ziemliche Augenweide ist. Wenn ich mich in meinem direkten Umfeld umgucke, so kenne ich auch nur Frauen, die sich dank Gewichtheben (und auch CrossFit gleichermaßen) endlich wohler in ihrer Haut fühlen. Hinzu kommt auch, dass die erbrachte Leistung beim Sport einen Beitrag zu dem verbesserten Selbstbild leistet. Man merkt einfach, wozu der Körper in der Lage ist und ist stolz auf neue Bestleistungen, stolz darauf, dass sich das ganze Training auszahlt.

2. Die Technik im Gewichtheben ist eine Art Kunst.

Das mag jetzt ein bisschen „too much“ klingen, ist meiner Meinung nach aber so: die Technik im Olympischen Gewichtheben ist Kunst. Es ist nicht nur ein „hochreißen der Hantel“ mit aller Gewalt. Nein! Kleinste technische Fehler können über einen gültigen oder ungültigen Versuch entscheiden. Ich selbst sage immer, dass Olympisches Gewichtheben ein wunderschöner, zugleich aber auch undankbarer Sport ist. Undankbar, da eben kleinste Fehler über Sieg oder Niederlage entscheiden können. Wunderschön, da Versuche mit einer akkuraten und sauberen Technik einfach sehr schön anzuschauen sind. Ich selbst liebe es mir Slomo Videos von Gewichthebern anzuschauen und auch die verschiedenen Techniken aus verschiedenen Ländern untereinander zu vergleichen. Wer denkt, dass Gewichtheben etwas mit roher Kraft zu tun hat, der hat sich geirrt. Kraft ist natürlich wichtig, aber die sportliche Technik steht hier eben doch im Vordergrund.

3. In der Ruhe liegt die Kraft.

Als ich das erste Mal in den Trainingskeller des VfK Hannover marschiert bin, viel mir zu aller erst die komplett andere Geräuschkulisse auf. Obwohl auch hier ständig Hanteln auf den Boden scheppern, so läuft weder laut Musik, noch wird hier irgendjemand von seinem verschwitzen, oberkörperfreien Nachbar angebrüllt „nochmal alles zu geben“. Beim Gewichtheben herrscht im Vergleich zum CrossFit Ruhe. In meiner aller ersten Trainingseinheit musste auch ich von meinem damaligen Trainer ausgebremst werden: „Bleib mal ruhig! Setz dich hin, trink einen Schluck Wasser, ruh dich aus.“ Ich soll WAS!?! Mich HINSETZEN!?! WASSER TRINKEN!? MICH AUSRUHEN!? Ja. Ganz genau. Hinsetzen, einen Schluck Wasser trinken und vor dem nächsten Satz ruhig werden. Man braucht Ruhe, um sich zu konzentrieren und die Anforderungen des Trainers bestmöglich im nächsten Satz umzusetzen. Die goldene Regel, dass man vor jemandem der gerade hebt nicht rumläuft oder diese Person mitten im Satz anspricht wird von allen unausgesprochen eingehalten. Es mag komisch klingen, dass ich Gewichtheben auch wegen dieser Ruhe zu liebe gelernt hab. Mich persönlich hat es aber gelehrt mich wirklich zu sammeln, Gedanken beiseite zu schaffen und mich nur voll und ganz auf das zu konzentrieren was ich tue. Heute ist es normal für mich in einer lauten Umgebung mit Menschen um mich rum (also in einer CrossFit Box) zu trainieren, umso mehr weiß ich die Ruhe im Trainingsraum beim Gewichtheben aber auch zu schätzen.

4. Wie eine neue Bestleistung deine Laune beeinflusst.

Ich habe es weiter oben bereits erwähnt: kein Sport den ich bisher gemacht habe ist so undankbar und wunderschön zugleich. Insbesondere dieses Jahr lief für mich aufgrund von viel Stress nicht rund. Mein Training war ziemlich besch… und ich kann auch offen und ehrlich zugeben, dass ich beim Training nicht nur einmal wie ein kleines Kind geheult habe. Ich meine nicht nur so ein bisschen eine Träne vergossen… sondern wirklich geweint vor Verzweiflung, weil ich meine alten Bestleistungen nicht mal mehr ansatzweise geschafft habe und neue Bestleistungen auch nicht wirklich zu erwarten waren. Dann, im Mai schaffte ich es ENDLICH bei einem Wettkampf auch mal das zu stoßen, was ich schon Monate zuvor im Training geschafft hab. Da für mich nur das zählt, was ich beim Wettkampf schaffe, war das Gefühl nach dieser Bestleistung einfach großartig. Dieses Gefühl ist das, was einen durch die endlos langen, aus immer gleichen Übungen bestehenden Trainingseinheiten trägt. Weil man weiß, dass auch wenn es man nicht läuft sich das Training doch irgendwo auszahlt. Das einzige was zählt, ist am Ball (bzw. an der Hantel) zu bleiben, nicht aufzugeben und da weiter zu machen, wo andere lange aufgehört hätten. Der Spruch „wenn es einfach wäre würde es jeder machen“ trifft hier mehr als zu. Mir ist durchaus bewusst, dass CrossFitter auch am Olympischen Gewichtheben arbeiten und sich genauso über „PRs“ freuen wie Gewichtheber. Allerdings ist die Frustrationsgrenze beim CrossFit für mich deutlich geringer, da es so vielseitig ist. Man kann in diesem Sport seine Schwächen einfach auch durch andere Stärken zum Teil kompensieren (ich sage bewusst „zum Teil“!). Beim Gewichtheben hat man nur das Reißen und Stoßen und den Kampfrichtern ist es völlig egal ob ich im Handstand walk zur Langhantel gelaufen komme (obwohl es sicherlich witzig wäre). Am Ende zählt immer nur das Gewicht, was ohne nachdrücken über den Kopf gebracht wurde.

5. Freundschaft statt Konkurrenz!

GNS Pokal im Mai 2016 in Lüchow.
Wer mich gut kennt, der weiß das ich dieses krasse Konkurrenzdenken hasse. Natürlich spornt einen ein stärkeres Mädchen aus der gleichen Gewichtsklasse an und natürlich ist Konkurrenzdenken in einem gewissen Maß zur eigenen Leistungssteigerung wichtig. Aus persönlicher Erfahrung empfinde ich, dass dieses Konkurrenzdenken, das rumgucken „was die anderen machen“, vergleichen und fragen „wie viel Gewicht nimmst du?“ und auch das herabwerten von erbrachten Leistungen anderer im CrossFit deutlich krasser ist als im Gewichtheben. Vielleicht liegt es auch an daran, dass man beim Gewichtheben Gewichtsklassen hat und daher sowieso nach Körpergewicht und relativ zu diesem Körpergewicht bewertet wird und somit ohnehin zwischen Frauen unterschiedlicher Gewichtsklassen keine „Konkurrenz“ herrscht. Insgesamt habe ich es beim Gewichtheben bisher so erlebt, dass egal ob jemand besser oder schlechter war, sich immer jeder für jeden über eine neue Bestleistung freut oder genauso mitleidet, wenn jemand mal einen Versuch auf dem Wettkampf nicht schafft. Ja, auf der
Deutschen Meisterschaft sah das natürlich schon wieder etwas anders aus. Allerdings herrschte auch hier immer ein respektvoller Umgang untereinander und auch wenn man sich etwas komisch als totaler Anfänger auf der Deutschen Meisterschaft vorkam, so hatte man trotzdem nicht das Gefühl von den anderen belächelt zu werden. Die Wettkämpfe beim Gewichtheben fühlen sich für mich meistens wie ein Zusammenkommen mit Freunden an. Wir haben Spaß, lachen, sind dann ernst und fokussiert, reißen, essen Kekse, stoßen, essen noch mehr Kekse und lachen und freuen uns wieder oder trösten einander, wenn irgendetwas mal nicht so geklappt hat wie geplant. So oder so habe ich durch das Gewichtheben Menschen kennengelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind und die ich auch manchmal Monate nicht sehe und trotzdem weiß, dass es jedes Mal WENN wir uns sehen genauso schön wird wie beim letzten Mal. An dieser Stelle möchte ich aber auch sagen, dass ich genauso wundervolle Menschen auch durch CrossFit kennengelernt hab.

3 thoughts on “Olympisches Gewichtheben: 5 Gründe warum ich diesen Sport liebe”

  1. Hallo, sehr schöner Artikel natürlich zu einer sehr schönen Sportart. Da spricht mir vieles aus dem Herzen, da ich nun schon 48 Jahre im Gewichtheben „Staub wische“. Dieser Sport hat wesentlich mein Leben und auch meinen Beruf beeinflußt, d.h. natürlich auch jetzt noch.

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