Am vergangenen Samstag, den 15.10.16, fand die Norddeutsche Meisterschaft im Olympischen Gewichtheben statt. Ausrichter und Gastgeber war dieses Mal der SC Lüchow, für den ich nun das 2. Mal an den Start ging.

Bevor ich zu einem kleinen Bericht zum Wettkampf aus meiner Sicht komme, möchte ich noch etwas zum Thema Gewichtsreduktion für einen Wettkampf schreiben. Diejenigen, die meinen Bericht zur Landesmeisterschaft gelesen haben, die wissen, dass ich mich beim letzten Wettkampf nicht wirklich wegen meins Gewichtes gestresst habe. Natürlich habe ich in der Woche vor dem Wettkampf aufgepasst was ich esse, um so „nah wie möglich“ an meiner eigentlichen Gewichtsklasse zu sein. Da ich aber nur eine Woche vor dem Wettkampf mit knappen 66 kg aus dem Urlaub zurückgekehrt bin, war für mich die 63.0 Grenze mit gesunden Methoden nicht mehr erreichbar.

Insgesamt ist über das letzte Jahr, in dem ich mich dem Gewichtheben gewidmet habe, mein Gewicht langsam aber sicher gestiegen. Anfang des Jahres saßen meine Hosen am Bund nach ordentlicher Schlemmerei in der Weihnachtszeit bei 65kg deutlich enger am Bund, als bei den heutigen knappen 65kg. Mein Gewicht hat sich durch Training und eine stark angepasste Ernährungsweise doch spürbar erhöht. So einfach es mir letztes Jahr fiel <63kg zu bleiben, umso schwerer fällt es mir jetzt vor den Wettkämpfen. Zur Norddeutschen Meisterschaft entschied ich mich jedoch mein Gewicht auf <63 zu reduzieren. Einerseits fing ich nach der Landesmeisterschaft also an in einem Kaloriendefizit zu essen (in einem Maß, dass ich noch normal trainieren und gute Leistungen erbringen konnte). Andererseits war mir den Montag vor der Norddeutschen auch klar, dass ich nur durch die Reduktionsdiät nicht auf unter 63kg komme. Ich entschied mich also mit Hilfe einer Wassermanipulation das Gewicht zu drücken. Die Gefahr, die mit einer Wassermanipulation einhergeht ist die, dass der Körper in der kurzen Zeit zwischen Einwiegen und Wettkampfbeginn den angerichteten Wasserverlust nicht wieder ausreichend ausgleichen kann.

Studien zeigten, dass bereits ein Wasserverlust von 2% des Körpergewichts zu einer messbaren Verschlechterung der Leistungsfähigkeit führen kann (Barr 1999). Hierzu muss man allerdings sagen, dass krassere Effekte auf die Leistung von Ausdauersportlern gefunden wurden als von Kraftsportlern (Maughan et al. 2010). Darüber hinaus zeigte die Studien von Armstrong et al. 2012, dass eine leichte Dehydrierung von 1,36% bei Frauen nicht nur zur Verschlechterung der Laune und Kopfschmerzen führt, sondern ferner auch zu einer Verschlechterung der Konzentrationsfähigkeit und einer höheren Schwierigkeitseinschätzung von diversen Aufgaben. Bevor die Herren der Schöpfung sich jetzt übermäßig freuen, weil sie denken sie seien von dem ganzen Schlamassel nicht betroffen: freut euch nicht zu früh. Eine ähnliche Studie wurde ebenfalls mit Männern durchgeführt und auch hier zeigte sich eine Verschlechterung von kognitiven Fähigkeiten und der Laune (Ganio et al. 2011).

Zusammengefasst war ich mir also durchaus bewusst, dass ich ein gewisses Risiko eingehe. Meine Gewichtsklasse von -63kg erreichte ich mit einer Punktlandung. Nun hieß es also den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen und ordentlich zu trinken. Wenn man sich zu einer Wassermanipulation entscheidet, so sollte man nach dem Wiegen sofort mit der Rehydrierung des Körpers beginnen. Hier sollte man am besten auf ein isotonisches Getränk zurückgreifen, welches auch den Elektrolyt- und Mineralstoffhaushalt auffüllt. Weiter möchte ich hier aber auch nicht auf dieses Thema eingehen, da dies kein „Guide zum Entwässern vor Wettkämpfen“ werden soll.

Ganz klar möchte ich aber sagen: wenn es nicht zwingend notwendig ist, so sollte man die Finger von jeglicher Wassermanipulation lassen. Lieber sollte man rechtzeitig und langfristig mit Hilfe einer Reduktionsdiät seine Gewichtsklasse erreichen, als mit irgendeiner kurzfristigen Methode. Für mich war dies ein Experiment und ich bin definitiv um eine Erfahrung reicher. Ob ich das jemals nochmal machen würde? Ich denke nicht. Wie gesagt rate ich auch niemandem dazu, der nicht zwingend in eine Gewichtsklasse passen MUSS (weil er in einer niedrigeren Gewichtsklasse z.B. neue nationale Rekorde o.ä. aufstellen kann). Ich persönlich werde zukünftig doch eher in der -69kg Kategorie heben und mir so Luft zum weiteren Muskelaufbau und auch für ein Frühstück vor dem Wiegen lassen. Denn letztendlich bin ich kein Profi, der Geld mit dem Sport verdient. Der Sport bestimmt ohnehin schon einen Großteil meines Lebens und das ständige aufs Gewicht aufpassen in der Wettkampfsaison schränkt einen dann doch schon ein.

Nun kommen wir aber auch erst einmal zu meiner Leistung und wie der Wettkampf für mich lief. Beim Aufwärmen habe ich in der Regel schon immer ein gutes Gefühl dafür, wozu mein Körper an dem Tag in der Lage sein wird. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dieses Mal schon das Gefühl hatte etwas „wackeliger“ zu sein, als in den vorangegangenen Trainingswochen. Dazu muss ich auch erwähnen, dass die letzten Trainingswochen zwischen Landesmeisterschaft und der Norddeutschen für mich das erste Mal wieder gut liefen. Drei Monate nach Abgabe meiner Masterarbeit hatte ich das Gefühl, dass mein Körper so langsam wieder zu höheren Leistungen bereit ist. Umso nerviger war dann natürlich das Gefühl nicht so gut drauf zu sein wie sonst. Das Ende vom Lied waren also 57kg gültig im ersten Versuch, 60kg habe ich leider nachgedrückt (und auch auf einen Spaziergang mitgenommen) und die 61 wollten dann auch nicht mehr. Ein kurzer Moment der Frustration tritt nach einem solchen Auftritt natürlich immer ein. Heute bin ich so wettkampferfahren, dass ich nach so einer Performance zwar erstmal zwei Minuten für mich brauche, aber mich bestimmt nicht von so etwas für das darauffolgende stoßen beirren lasse. Im Stoßen lief das Aufwärmen vom Gefühl her etwas besser und das Gefühl bestätigte sich mit drei gültigen Versuchen und einer neuen Wettkampfbestleitung von 76kg. Insgesamt reichte der Zweikampf von 133kg dazu, beste weibliche Heberin der Senioren zu werden.

An dieser Stelle möchte ich aber auch Patricia Rieger vom TV Elz e.V. erwähnen, welche aufgrund eines Vereinswechsels außer Konkurrenz startete, die aber eigentlich stärkste Frau des Tages war. In der Gewichtsklasse -75kg riss sie 89kg und stieß 105 kg. Eine unglaublich starke Leistung, die definitiv auch noch erwähnt werden musste. Auf der deutschen Meisterschaft kann Patricia wieder ganz normal antreten und wird mit Sicherheit auch sehr gut abschneiden. Ich drücke dem sympathischen Kraftbündel auf jeden Fall die Daumen!

Abschließend kann ich sagen, dass ich trotz meiner körperlich nicht so optimalen Verfassung einigermaßen zufrieden bin. Natürlich, dass reißen lief suboptimal und zumindest die 60 kg hätte ich gerne gültig gerissen. Beim Gewichtheben kommen aber immer viele Faktoren zusammen und ich denke das Entwässern und die wenige Zeit zwischen wiegen und Beginn des Wettkampfes waren nicht genug das mein Körper wieder voll leistungsfähig war.

Darüber hinaus war es einfach wieder ein schöner Tag mit vielen tollen Menschen. Die nächste Station in der Wettkampfsaison ist nun die Deutsche Meisterschaft am 28.10. in Plauen. Im letzten Jahr belegte ich dort von 9 Teilnehmerinnen den 9. Platz. Auch in diesem Jahr fahre ich frei nach der Devise “dabei sein ist alles” zum Wettkampf. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo ich mich wirklich verrückt gemacht hab und mich lange für die dort erbrachte Leistung geschämt habe, gehe ich dieses Jahr deutlich entspannter an die Sache. Fakt ist: auch nach knappen 2 Jahren bin ich immer noch eine Anfängerin. Aber vor allem in den letzten Monaten, wo im Training wenig bis garnichts gelaufen ist und ich oft das Handtuch werden wollte, schaue ich mir das Foto von meinem allerersten Wettkampf im Februar 2015 an. Mit grünen Scheiben, hässlicher (bis garnicht vorhandener) Reißkniebeuge und deutlich geringeren Kraftwerten als jetzt. Wenn man sich manchmal fragt wieso man das alles eigentlich macht und sich denkt man wird einfach nicht besser, so sollte man immer daran zurückdenken wie man angefangen und auch warum.

 

 

Referenzen:

Barr, S. I. (1999). Effects of dehydration on exercise performance. Canadian Journal of Applied Physiology, 24(2), 164-172.

Maughan, R. J., & Shirreffs, S. M. (2010). Development of hydration strategies to optimize performance for athletes in high‐intensity sports and in sports with repeated intense efforts. Scandinavian journal of medicine & science in sports,20(s2), 59-69.

Armstrong, L. E., Ganio, M. S., Casa, D. J., Lee, E. C., McDermott, B. P., Klau, J. F., … & Lieberman, H. R. (2012). Mild dehydration affects mood in healthy young women. The Journal of nutrition, 142(2), 382-388.

Ganio, M. S., Armstrong, L. E., Casa, D. J., McDermott, B. P., Lee, E. C., Yamamoto, L. M., … & Chevillotte, E. (2011). Mild dehydration impairs cognitive performance and mood of men. British Journal of Nutrition106(10), 1535-1543.

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