Am Samstag, den 12.11.2016, war es wieder soweit: in den heimischen Hallen des SC Lüchow traf unsere Mannschaft für ihren zweiten Wettkampf in der 2. Bundesliga auf den KG Görlitz-Zittau.

Nach einem nicht so erfolgreichen Start in die Wettkampfsaison war die Aufregung dieses Mal umso größer und unser Trainer, Andreas Milik, setze viel Energie ein, um aus jedem einzelnen von uns das bestmögliche herauszuholen.

Nach einigen Gesprächen und Rücksprache mit meinem Trainer entschied ich mich nun endgültig die Bundesliga Saison mit 64 kg Körpergewicht zu bestreiten. Ohne jeglichen Stress, zusätzliche Cardio Einheiten und ohne Wassermanipulation wog ich schlußendlich mit gesunden 63.9 kg am Wettkampftag ein. Am Abend vor dem Wettkampf saß ich noch gemütlich beim geimeinsamen Abendessen mit meinem Freund, der meinen entspannten Gemütszustand nur mit „ich weiß garnicht wann du das letzte Mal so entspannt Abendbrot vor einem Wettkampf gegessen hast“ kommentierte. Bzw. konnte sich keiner von uns an den letzten Wettkampf erinnern, bei dem ich überhaupt Abendbrot gegessen habe.

Als ich mit dem Gewichtheben angefangen habe, war ich ein richtiger Wettkampftyp. Egal wie aufgeregt ich war, ich war mir immer sicher „die Aufregung wird’s schon richten und ich werde das schon irgendwie gut machen“. Mit meiner Masterarbeit und all dem, was ich dieses Jahr dadurch so im Kopf hatte, wendete sich das Blatt. Mit jedem Wettkampf, der nicht so lief wie ich es mir vorgestellt hatte, verlor ich ein Stück meiner Unbefangenheit. Anstatt locker zu bleiben machte ich bei Wettkämpfen, insbesondere beim Reißen, dicht und schaffte somit immer nur Gewichte weit unter dem, was ich bereits im Training bewegen konnte. Bei der Landesmeisterschaft platze dann erstmalig der Knoten im Reißen. Im Stoßen lief es hingegen nicht ganz so wie erhofft. Bei der Norddeutschen Meisterschaft lief das Reißen nicht gut, aber das Stoßen. Bei der Deutschen Meisterschaft lief nichts und ich stand vor der Aufgabe die größte sportliche Enttäuschung des Jahres zu verarbeiten. Interessanterweise muss ich aber sagen, dass ich durch die ganzen nicht so guten Wettkämpfe dieses Jahr unglaublich viel für mich dazu gelernt habe.

Als ich mit dem Gewichtheben angefangen habe und meine Trainer zu mir sagten: „Paulina! Du musst jetzt beim Heben mitdenken!“, so dachte ich mir innerlich immer nur „WAS!?Wie soll ich dabei noch denken? Ich denke jetzt garnichts und mache das einfach!“. Erst bei der diesjährigen Landesmeisterschaft lernte ich für mich das erste Mal, was es überhaupt bedeutet aktiv beim Heben mitzudenken. Das mag für Außenstehende jetzt vielleicht komisch klingen, aber ein gewisses Maß an „mitdenken“ ist bei Versuchen mit höheren Gewichten doch notwendig. Des Weiteren lernte ich auf der Deutschen Meisterschaft eine weitere Lektion: nur, weil ich meinen 2. Versuch im Reißen nicht schaffe heißt es lange nicht, dass ich den 3. Versuch auch nicht schaffe. Zumindest hatte ich bisher immer eine selbst erbaute mentale Barriere und wenn ich den 2. Versuch nicht geschafft habe, so schaffte ich den 3. meistens auch nicht. Mir war natürlich schon immer klar, dass man nach jedem einzelnen Versuch den jeweiligen Versuch abhaken und den neuen Versuch als eine neue Chance sehen muss. Allerdings ist dies auch eine Sache, deren Wichtigkeit mir erst dieses Jahr so richtig vor Augen geführt wurde.

Ich habe nach der Deutschen Meisterschaft also sehr viel nachgedacht. Insbesondere über die mentalen Blockaden, die ich mir selbst über das Jahr hinweg aufgebaut habe. So stand ich nun also da am Samstag. Mit für mich optimalen Wettkampfgewicht, nach einer guten Trainingswoche und einer Mischung aus Freude und Angst auf den anstehenden Wettkampf.

In der Bundesliga ist der Wettkampfablauf ganz anders als in der Nordliga oder auf Einzelwettkämpfen. Gehoben wird in zwei Gruppen und in sogenannten „Blöcken“. Eine Gruppe besteht jeweils aus 6 Hebern und alle Heber machen zunächst ihren 1. Versuch, dann alle ihren 2. usw. Wenn Gruppe 1 mit dem Reißen fertig ist folgt das Reißen der Gruppe 2. Nach einer 10-minütigen Pause geht es dann nach dem gleichen Schema mit dem Stoßen weiter. Insgesamt ist dies also ein vergleichsweise kurzer img_6107Wettkampf. Gemeinsam mit meiner Teamkollegin Anne Hruschka hob ich in der 1. Gruppe. Ich eröffnete den Wettkampf mit 59 kg, welche ich auch problemlos zur Hochstrecke brachte. Ich merkte schon in der Pause zwischen den Versuchen, dass diese Pause für mich eventuell zu lang sein könnte. Manche Heber brauchen zwischendurch einfach nochmal einen leichten Versuch im Aufwärmraum, manche können auch nach langer Pause genauso gut heben wie nach einer kürzeren. Die 61 kg im 2. Versuch schaffte ich dann leider nicht. Mein Trainer sagte mir, ich solle einmal easy 50 kg im Aufärmraum Reißen, da die Pause für mich anscheinend doch zu lang war. Und da war sie wieder. Die mentale Blockade aller vorangegangener Wettkämpfe. Ich schaffe nichtmal mehr 50 kg im Aufwärmraum zu reißen. Alles was mein Trainer in diesem Moment sagte war „Du blockierst dich selbst! Mach das sofort nochmal!“. Es klappte. Nach einer kleinen motivierenden Ansprache meiner Teamkollegin schaffte ich dann auch im 3. Versuch die 61. Im Nachhinein sagten mir auch meine Freunde, die mich begleiteten, dass man mir meine Aufregung beim Reißen sehr stark angemerkt hat. Obwohl ich im Reißen im Training sehr sicher bin und auch keine „Angst“ vor der Bewegung habe, so blockiere ich mich tatsächlich bei Wettkämpfen selbst… Vielleicht bringt diese Einsicht mich ja auch beim nächsten Wettkampf weiter. Insgesamt lag unsere Mannschaft beim Reißen leider hinter der gegnerischen Mannschaft und der Wettkampf blieb also spannend.

Im Stoßen war sämtliche Nervosität verflogen und ich konnte wieder in meinem ursprünglichen Wettkampfgeist, den ich selbst schmerzlich vermisst habe dieses Jahr, weitermachen. Die Belohnung war eine neue Bestleistung mit 77 kg im 3. Versuch. Das Video zu dem Versuch könnt ihr auf meinem Instagram Profil sehen. Im Stoßen konnte unsere Mannschaft dann mehr Punkte als die gegnerische Mannschaft holen und sicherte somit nicht nur den Sieg im Stoßen sondern viel wichtiger auch den Gesamtsieg. Unsere Freude über den Sieg und eine so starke Verbesserung im Gegensatz zum ersten Wettkampf in der Bundesliga war sehr groß. Besonders stark zeigte sich an diesem Tag unsere leichteste und kleinste Heberin Anne, die nicht nur mit jedem Versuch eine neue Bestleistung aufstellte, sondern auch mit 91 Punkten das höchste Ergebnis erzielte. Für interessierte habe ich unten nochmal das Wettkampfprotokoll angefügt.

Wettkampfprotokoll 2. Bundesliga SC Lüchow gegen KG Görlitz-Zittau

Die Mannschaft des SC Lüchow: Marcin Smolarek, Jurij Kolesnik, Jan Rakowske, Viktor Schumtschenko, Paulina Wasserfurth, Anne Hruschka. Es fehlt: Eduard Janke
Das Heben in der 2. Bundesliga ist für mich nun eine komplett neue Erfahrung. Zum einen musste ich mich erstmal an das „Blockheben“ gewöhnen, zum anderen ist aber auch der Gedanke „für die Mannschaft“ Punkte zu sammeln auch ein sehr motivierender Gedanke. Bei meinem letzten Versuch im Stoßen sagte mein Trainer: „Komm jetzt, hol die Punkte für die Mannschaft!“. Dies hat mich tatsächlich nochmal zusätzlich motiviert. Nach vielen Höhen und Tiefen dieses Jahr, bin ich auf jeden Fall froh um jede Erfahrung die ich gemacht hab. Nicht nur die positiven, sondern vor allem die negativen Erfahrungen haben mich sehr viel gelehrt und ich hoffe, dass ich das Gelernte auf den folgenden Wettkämpfen weiter umsetzen kann. Insgesamt bin ich aber auch sehr dankbar, für den unglaublichen Rückhalt durch unsere Mannschaft. Der Zusammenhalt und all der Spaß den wir bei unseren Zusammentreffen haben sind wirklich toll.

Zusammengefasst hatten wir alle einen sehr schönen Wettkampf, zu dem auch die nette gegnerische Mannschaft des KG Görlitz-Zittau beigetragen hat.

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