Man muss mich nicht sonderlich gut kennen um zu wissen, dass ich absolut KEINE Läuferin bin. Kurze Strecken in CrossFit Workouts? Kein Problem. Aber alles was um die 5 km oder länger ist bereitet mir einfach sehr, sehr wenig Freude.. Als es in unserer CrossFit Box vor einigen Monaten darum ging, ob wir nicht gemeinsam bei einem Tough Mudder mitmachen wollen, war meine Begeisterung dafür also zwiegespalten. Einerseits hatte ich schon immer große Lust darauf gehabt einen Tough Mudder auszuprobieren, andererseits hatte ich ehrlich gesagt einfach Angst bei den 18 km Strecke komplett den Spaß an der Sache zu verlieren.

Aber: da ich schon auch Bock auf eine Herausforderung hatte meldete ich mich schlußendlich auch dazu an. Mit insgesamt 12 Personen, eine Gruppe aus CrossFit Anfängern und Fortgeschrittenen, ging es dann am Sonntag, den 17.7.16, nach Hermannsburg. Je näher wir dem Ziel kamen, desto größer wurde die Aufregung.. Am Ziel angekommen erwartete uns ein riesiges Gelände, welches von Wald umgeben war. Auf einer Wiese befand sich der Check-In und dahinter dann ein kleines „Tough Mudder Dorf“, wo man neben Essen, Trinken und ein paar kleinen Ständen mit Bekleidung auch Fotos von sich machen oder sich mit Paint Brush Reifenabdrücke auf den Körper sprühen lassen konnte. Um 11 Uhr, mit der vorletzten Startwelle, ging es dann endlich los. Nach einem kurzen und lustigen Warm-up bekamen wir noch eine Einweisung in die „Tough Mudder Regeln“. Noch ein paar motivierende Worte, viel Gejubel und Geschrei…3..2..1 LOS GINGS!

Tough Mudder Karte

Unser erstes Hindernis war nach einem knappen Kilometer „Heuschnupfen“. Hier erwarteten uns zum Einstieg in den Hindernislauf Strohblöcke, über die man relativ einfach drüber klettern konnte. Das erste schlammige Hindernis ließ aber nicht lange auf sich warten. Bei „Kiss of Mud 2.0“ mussten wir auf allen vieren durch Schlamm unter Stacheldraht drunter durch kriechen… Leicht eingeschlammt ging es als nächstes durch das „Drecksloch“ und schließlich standen wir vor den „Berlin Walls“. Hier machte sich zum 1. Mal das unglaubliche Teamwork, welches beim Tough Mudder wirklich einzigartig ist, bemerkbar. Egal ob man sich kannte oder nicht: es wurde sich gegenseitig beim Erklimmen der hohen Holzwände geholfen..und natürlich würde das Hindernis nicht „Berlin Walls“ heißen, wenn es nicht noch eine 2. Holzwand zu bezwingen gegeben hätte.

Nach knappen 5 km erreichten wir dann das „Arctic Enema“. Hier wartete ein kleines Becken mit 4°C kaltem Wasser, in welches man über eine Rutsche reinrutschen musste. Allerdings war es mit dem reinrutschen noch nicht getan. Zusätzlich musste man noch einmal in das kalte Wasser eintauchen, um unter einem Holzbalken drunter durch zu tauchen. Die Gesichter und Schreie der Leute vor uns ließen nichts gutes verheißen… auch von Bekannten hörte ich bereits, dass dies ein sehr fieses Hindernis sei. Mir ging also im wahrsten Sinne des Wortes der Hintern auf Grundeis. Zu recht. img_3270Das Eintauchen in das kühle Wasser selbst ist noch nicht so schockierend, wie das Gefühl wenn man das erste Mal auftaucht. Mir blieb fast ein bisschen die Luft weg und ich war irgendwie total verwirrt, was da gerade eigentlich mit mir passiert.. also nicht lange drin stehen bleiben, Zähne zusammenbeißen, unter dem Holzbalken durch und so schnell wie möglich RAUS DA!Mein Körper war in so einem Schockzustand, dass ich Schwierigkeiten hatte aus dem Becken zu steigen. Nichtsdestotrotz: es war eine total krasse Erfahrung und ich denke, dass ich trotz allem auch beim nächsten Tough Mudder in das Becken springen werde ;).

Weiter ging es durch den Wald, die „Feuchtgebiete“ und schließlich standen wir von dem absolut krassesten Hindernis: King of Swingers! Hier musste man sich wirklich überwinden! Mit einem kleinen Sprung musste man an einen Griff springen und sich durch die Luft schwingen. Ziel war es an eine kleine in der Luft hängende Glocke zu kommen. Unter den Griffen und den Glocken war natürlich ein großes, mit Wasser gefülltes „Auffangbecken“.

king-of-swingers

Es kostete mich etwas Überwindung, an den Griff dran zu springen, da ich Angst hatte abzurutschen. Abgerutscht bin ich beim 1. Mal nicht, brachte es aber trotzdem zu Stande nach dem loslassen den Griffes einen wunderschönen Bauchklatscher zu machen. Einige von uns schafften die Glocke zu berühren und da das rumschwingen auch irgendwie Spaß machte, blieben wir hier eine Weile und schwangen noch eins zwei mal mehr als nötig ;).

Patschnass und glücklich ging es dann weiter zum „Cage Crawl“. Dieses Hindernis hatte schon fast etwas meditatives: man musste sich ins Wasser legen und sich mit Hilfe mit über einem liegenden Gittern durchs Wasser ziehen. Das war wirklich eine sehr entspannende Sache :D! Für die „Legionäre“, also diejenigen die bereits schon einen Tough Mudder mitgemacht hatten, gab es hier ein Zusatzhindernis: den „Rain Man“. Im Prinzip war es das gleiche Hindernis, nur dass von oben eben noch Wasser runtergerieselt kam.

Als nächstes folgte ein Hindernis, welches ich zunächst aufgrund von massiver Platzangst ausfallen lassen wollte: der „Birth Canal“. Hier musste man sich unter einer mit Wasser befüllten Plane drunter durch quetschen. Da die Platzangst bei mir jedoch nur sehr schlimm wird, wenn ich in komplett geschlossenen Räumen bin und man hier links und rechts Öffnungen hatte, aus denen man notfalls raus kriechen konnte, schaffte ich es doch auch dieses Hindernis zu bewältigen. Vor allem aber auch, weil das restliche Team mich mental unterstütze und mich die letzten paar Zentimeter aus dem Kanal raus zog. Also: alles geschafft, weiter gings. Unterwegs hielten wir natürlich auch an jeder Getränkestation, um Wasser zu trinken und die dort angebotenen Müsliriegel zu essen… und irgendwie kam auf einmal jemand aus unserer Gruppe auf die grandiose Idee, dass man doch auch einfach ein paar Burpees machen könnte, bevor man noch kalt wird.. Aus dem Spaß wurde ernst und ein Junge aus einem anderen Team schloss sich uns ebenfalls an: 10 Burpees für alle. Bis Ende des Laufs wurden die 10 Burpees unser Ding, welches wir an jeder Getränkestation durchzogen (und witzigerweise war der Junge aus dem anderen Team auch immer zeitgleich mit uns an den Stationen, sodass wir es auch bis zum Ende gemeinsam durchzogen).

download (3)Unser 10. Hindernis war nach knappen 11 km dann „Funky Monkey“. Hier musste man sich an mehreren Stahlträgern über ein Wasserbecken hangeln. Dieses Hindernis bereitete allen viel Spaß und ich schaute mit Begeisterung zu, wie vor allem die CrossFit Anfänger hier komplett über sich hinaus wuchsen und nur um Millimeter das Ziel verfehlten. Es war richtig toll sich gegenseitig anzufeuern, mitzufiebern und die strahlenden Augen zu sehen, je weiter jemand von uns kam. Glücklich liefen wir weiter durch den Wald, durchquerten einen Fluss und standen schließlich vor „Block Ness Monster“, wobei es sich um große, schwere Holzblöcke handelte, welche im Wasser lagen. Diese Blöcke mussten mit Hilfe des gesamten Teams gedreht werden, so dass wir nach und nach alle über die Blöcke drüber klettern konnten. Auch dieses Hindernis bereitete wahnsinnig viel Spaß. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir übrigens auch knappe 13 km hinter uns. Eine Distanz, die ich seit meiner Jugend nicht mehr gelaufen bin! Da man aber immer auf die neuen Hindernisse gespannt war, merkte man bis hierhin eigentlich noch garnicht, wie weit man im Endeffekt schon gelaufen war.

Als nächstes standen wir vor „Holz  vor der Hütte“. Hier musste man sich einen Baumstamm schnappen (es gab viele verschiedene Größen) und diesen dann eine wenige hundert Meter lange Runde tragen. Weiter folgten die „Berg- und Talfahrt“, wo es kurzzeitig einige Höhenmeter hoch und runter durch den Wald ging,“Huckepack“ wo wir jeweils 200m jemanden aus unserem Team Huckepack tragen mussten und „The Hangover“, eine schräge Holzwand über die man drüber klettern musste. Nach den nun mehr 16 zurückgelegten Kilometern merkte ich nun aber auch doch die Ermüdung und so langsam machten auch die Muskeln in den Beinen schlapp… aber nur noch 3 Kilometer!!! Das sollte ja wohl noch zu machen sein!img_3273

Als nächstes Hindernis standen wir aber definitiv vor einer der größten Herausforderungen: dem „Pyramid Scheme“. Dabei handelt es sich um eine schräge Rampe, die definitiv nur im Team Work zu bezwingen war. Als wir alle oben waren, hängten wir noch einen Jungen aus unserem Team Kopfüber die Rampe runter, um einem anderen Team beim Aufstieg zu helfen. Das war wirklich sehr verrückt, aber auch total spaßig und wir jubelten wirklich lautstark, als wir alle gemeinsam oben auf der Rampe standen. Nun ging es weiter zum „Liberator“. Dies war ebenfalls eine Holzwand, die man mit Hilfe von Holzpflöcken erklimmen musste (eine einfache Version eines Peg Boards). Dies geschafft kam eine wunderbare Abkühlung: die Durchquerung eines Sees! Da das Wetter wirklich sehr gut war, konnte man dieses Hinderniss wirklich in vollen Zügen genießen!

Wieder halbwegs sauber standen wir kurze Zeit später vor den matschigen Hügeln der „Mud Mile 2.0“. Hier musste man einfach über die matschigen Hügel klettern. Wieder eingesaut (obwohl seien wir ehrlich: so richtig sauber waren wir ja sowieso seit einigen Stunden nicht mehr) liefen wir wieder eine Weile, bevor wir letztendlich kurz vor dem Ziel den „Everest 2.0“ erklimmen mussten: eine Quarterpipe. Der Tipp, zu den Teamkameraden hoch zu gucken anstatt auf die Rampe zeigte auf jeden Fall seine Wirkung und alle von uns schafften auch dieses Hindernis ohne große Probleme zu bewältigen!

Für die Legionäre unter uns ging es nun noch zu einem extra Hindernis, für den Rest ging es schon direkt zur „Electroshock Therapy“..hiervor hatte ich im Vorfeld große Angst..Ehrlich gesagt war es aber bei weitem nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hab. Und da war es dann plötzlich: DAS ZIEL! Hier wurde uns ein orangenes Stirnband aufgesetzt und ein Finisher T-Shirt in die Hand gedrückt. Überglücklich und voller Freude fielen wir uns alle nacheinander in die Arme und feierten, wie gut wir alle gemeinsam alles geschafft haben!

Darauf nochmal unser Team-Schrei: BIZEPS-CURL!

…ah ja..aber das ENDE des Tough Mudders markierten definitiv die 10 Burpees, die wir alle gemeinsam machten, als uns nach dem Beenden des Laufes nochmal der Junge aus dem anderen Team entgegen gelaufen kam…:)

Fazit:
Der Tough Mudder 2016 in Norddeutschland war der absolute OBERHAMMER! Definitiv werde ich in Zukunft noch mehrere Hindernisläufe machen!
Obwohl ich keine Läuferin bin, lassen die vielen tollen Hindernisse die lange Strecke garnicht sooo lang erscheinen wie sie eigentlich ist. Außerdem macht natürlich aber auch viel das Team aus, mit welchem man unterwegs ist. Wir hatten einfach eine geniale und verrückte Gruppe, die alle einander geholfen und aufeinander acht gegeben haben.
Ein Kritikpunkt, den viele anbringen wenn es um den Tough Mudder geht ist der Preis. Ja, auch ich fand es anfangs sehr teuer, aber wenn man früh genug ein Ticket kauft bekommt man es locker für unter 90€. Nachdem ich nun auch am Lauf teilgenommen habe muss ich sagen, dass der Preis schon gerechtfertigt ist. Vor allem wenn man bedenkt, was für eine wahnsinnige Arbeit die Vorbereitung einer solchen Strecke bereiten muss. Dazu kommt, das man auch noch viele, qualitativ hochwertige Fotos bekommt.
Einzig die Parkplatzgebühren, welche knappe 13€  betrugen (wenn man vorher online ein Parkticket kauft, oder 15€ wenn man es vor Ort kauft) fand ich ein wenig fragwürdig. Vor allem für diejenigen, die nur als Zuschauer mitgefahren sind.

 

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