Über „natürliche Alternativen“ zu herkömmlichen Zucker habe ich bereits in meinem Beitrag „5 natürliche Alternativen für Zucker & was du über sie wissen solltest“ berichtet. Doch gerade für diejenigen, die abnehmen und Kalorien einsparen wollen, sind kalorienarme Süßungsmittel oder auch andere Zuckerersatzstoffe wie z.B. Stevia oder Xylit eine oft genutzte Alternative. Auch die Fitnessindustrie greift zu Süßstoffen, um die Kalorien ihrer Produkte niedrig zu halten. Egal ob Proteinriegel oder ganz normales Proteinpulver: alles wird mit Süßstoffen gesüßt.

Die Debatte um Zuckerersatzstoffe und deren Auswirkung auf unsere Gesundheit wird mindestens genauso heiß diskutiert wie das Thema Zucker selbst. Genau aus diesem Grund möchte ich in dem heutigen Beitrag einmal einen etwas wissenschaftlicheren Einblick in das Thema „Süßstoffe und ihre Auswirkung auf unsere Gesundheit“ geben.

Was genau sind Zuckerersatzstoffe?

Der Begriff Zuckerersatzstoffe umfasst sämtliche Süßungsmittel, welche als Alternative für Zucker genutzt werden können.

Zum einen gibt es Süßstoffe. Dies sind Stoffe, welche entweder synthetisch hergestellt oder aus natürlichen Stoffen gewonnen werden und eine viel höhere Süßkraft als Zucker besitzen besitzen. Der Süßstoff Neotam, ist beispielweise 7000-fach süßer als Haushaltszucker (Kroger et. al 2006). Trotz der hohen Süßkraft enthalten Süßstoffe kaum Kalorien, führen durch das Fehlen von Kohlenhydraten nicht zum Anstieg des Blutzuckerspiegels und fördern auch nicht die Entstehung von Karies. Ein Beispiel für einen synthetischen Süßstoff ist z.B. Aspartam. Ein „natürlicher Süßstoff“ sind z.B. die aus Stevia gewonnenen Steviolglycoside. Hierbei darf man aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass dieser „natürliche Süßstoff“ ebenfalls durch chemische Prozesse gewonnen wird.

Zum anderen gibt es auch die Zuckeraustauschstoffe. Diese umfassen zum einen Fruchtzucker (Fruktose) und zum anderen die Zuckeralkohole (Polyole), welche insulinunabhängig verstoffwechselt werden und somit auch von Diabetikern genutzt werden können. Während Fruktose eine höhere Süßkraft als Zucker besitzt, ähnelt die Süße der Zuckeralkohole der Süße von Haushaltszucker. Zuckeralkohole liefern aber bei gleicher Süßkraft rund 40% weniger Kalorien als herkömmlicher Zucker und wirken ebenfalls nicht kariogen. Beispiele für Zuckeralkohole sind z.B. Xylitol(Xylit) oder Erythritol (Erythrit).

Süßstoffe – wie schädlich sind sie wirklich?

Süßstoffe gehören zu Lebensmittelzusatzstoffen und ihre Verwendung in den von uns konsumierten Lebensmitteln wurde von der Europäischen Union geregelt. Insgesamt sind in der EU zurzeit 11 Süßstoffe zugelassen.

So beliebt wie Süßstoffe aufgrund ihrer geringen Kalorienmenge vor einigen Jahren im Rahmen einer Reduktionsdiät, vor allem bei „low-carb“-Diäten, noch waren, umso größer sind die Bedenken hinsichtlich des Konsums von Süßstoffen heute. Anstatt bei einer Gewichtsabnahme durch das Einsparen von Kalorien zu helfen, sollen Süßstoffe den Appetit anregen, unsere Magen-Darmflora schädigen und sogar die Entstehung von Krebs begünstigen.

Tatsächlich gibt es für die Verwendung von Süßstoffen den sogenannten „Acceptable Daily Intake“ (ADI). Dieser Wert wurde für jeden Süßstoff basierend auf den Ergebnissen aus diversen Tierexperimenten errechnet. Die Menge an Süßstoff, bis zu welcher keine unerwünschten Nebenwirkungen auftraten, wird „No Observed Adverse Effect Level“ (NOAEL) genannt. Dieser Wert dividiert durch einen Sicherheitsfaktor (i.d.R. 100) ergibt dann den ADI-Wert in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine Übersicht der in der EU zugelassenen Süßstoffe, ihrer Süßkraft und deren ADI-Wert habe ich in der Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 1: Auflistung der in der EU zugelassenen Süßstoffe, E-Nummern, Süßkraft als Vielfaches von Saccharose und ADI-Wert. Sofern nicht anders angegeben gelten die ADI Werte nach dem Scientific Committee on Food (SCF). ADI-Werte nach der European Food Safety Authority (EFSA) sind als solche gekennzeichnet. „Acceptable“ bedeutet, dass es keinen festgesetzten ADI-Wert für diesen Süßstoff gibt.

E-Nummer Süßstoff Süßkraft im Vergleich zu Saccharose ADI-Wert (mg/kg Körpergewicht und Tag)
E 950 Acesulfam K Ca. 200 9
E951 Aspartam Ca. 200 40 (EFSA)
E952 Cyclamat Ca. 40 7
E 954 Saccharin Ca. 400 5
E 955 Sucralose Ca. 500-600 15
E 957 Thaumatin Ca. 2500 „Acceptable“
E 959 Neohesperidin DC Ca. 600 5
E 960 Stevioglycoside Ca. 300 4 (EFSA)
E 961 Neotam Ca. 7000 2 (EFSA)
E 962 Aspartam-Acesulfamsalz Ca. 350 „Acceptable“
E 969 Advantam Ca. 100-1000 5 (EFSA)

Eine Studie von Fowler et al.,2008 wertete Ergebnisse der San Antonio Heart Study aus, um die Langzeitauswirkungen von dem Konsum süßstoffhaltiger Getränke und nicht-süßstoffhaltiger Getränke zu vergleichen. Von anfänglich 5 158 Probanden wurden 3 682 nach 7-8 Jahren erneut untersucht. Die Studie belegte, dass diejenigen die süßstoffhaltigen Getränke konsumierten ein erhöhtes Risiko für eine Gewichtszunahme und Fettleibigkeit hatten. Interessanterweise gibt es aber auch eine Studie, in welcher übergewichtige Frauen zwei verschiedenen Reduktionsdiäten unterzogen wurden. Die eine Gruppe sollte auf Aspartam-haltige Lebensmittel und Getränke verzichten, die andere sollte eben diese konsumieren. Die Gruppe von Frauen, welche die mit Aspartam gesüßten Lebensmittel konsumierte verlor nicht nur während der 16-wöchigen Diät mehr Gewicht, sondern nahm auch langfristig nicht mehr so viel Gewicht zu, wie die Kontrollgruppe (Blackburn et al., 1997). Natürlich ist hier aber zu beachten, dass man immer „das große Ganze“ betrachten muss. Sprich, inwiefern die Frauen nach der Diätphase ihre Ernährung umgestellt haben und ob sie weiterhin Sport betrieben haben etc.

Nichtsdestotrotz konnte auch in Tierexperimenten mit Ratten nachgewiesen werden, dass eine mit Saccharin zugefütterte Testgruppe eine deutlich höhere Kalorienaufnahme hatte, als die mit Glukose gefütterte Vergleichsgruppe (Swithers et al., 2008). In einer weiteren Studie von Suez et al. 2014, konnte nachgewiesen werden, dass der Konsum von Süßstoffen zu einer Veränderung der Magen-Darmflora führt und somit eine Glukoseintoleranz verursacht. Während der Experimente wurde das Trinkwasser von 10 Wochen alten Mäusen mit Aspartam, Sucralose oder Saccharin versetzt. Als Kontrolle bekamen einige Mäuse normales, mit Glukose oder Saccharose versetztes Wasser. Während die Glukosetoleranz der Testgruppen nach Abschluss des Experiments noch im normalen Bereich lag, entwickelten alle Gruppen die ein mit Süßstoff versetztes Wasser tranken eine Glukoseintoleranz. Von allen drei Süßstoffen zeigte Saccharin die schlimmste Auswirkung. Dass die Glukoseintoleranz aufgrund einer veränderten Magen-Darmflora entstand konnten die Wissenschaftler nachweisen, indem sie Bakterien aus dem Darm einer glukoseintoleranten Maus in eine gesunde Maus überführten. Die zunächst gesunde Maus entwickelte nun auch eine Glukoseintoleranz. Übrigens setzten die Wissenschaftler bei den Experimenten auch keine utopischen Mengen an Saccharin ein, sondern eine Menge, die dem ADI-Wert von Saccharin entspricht.

An dieser Stelle möchte ich für mich aber auch noch einmal ganz kurz vermerken, dass ich selbst kein Fan von Tierversuchen bin. Nichtsdestotrotz zeigen diese durchgeführten Versuche klare Schattenseiten des Süßstoffkonsums.

Zum Thema „Krebs und Süßstoffe“, kam immer wieder die Vermutung auf, dass ein erhöhter Süßstoffkonsum eine Krebserkrankung begünstigen kann. Tierversuche, in denen Ratten mit großen Mengen Saccharin gefüttert wurden, bestätigten diese Hypothese. Im Gegensatz dazu, bewiesen durchgeführte Humanstudien aus den 80 Jahren allerdings das Gegenteil (Hoover et al. 1980, Wynder et al. 1980, Cartwright et al. 1981). Diese unterschiedlichen Ergebnisse lassen sich damit erklären, dass die Verstoffwechselung von Saccharin speziesspezifisch ist und sich daher zwischen Ratte und Mensch unterscheidet (Capen et al. 1999). Auch bei Aspartam konnte kein Zusammenhang zwischen dem Konsum und einem erhöhten Krebsrisiko gefunden werden (Gallus et al. 2007).

Sind Zuckerersatzstoffe eine „bessere Alternative“ zu Süßstoffen?

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den Zuckerersatzstoffen um Zuckeralkohole, oder „Polyole“. In Deutschland sind zur Zeit acht zugelassen. Im Gegensatz zu den Süßstoffen, hat weder das Scientific Commitee on Food, noch die European Food Safety Authority gesundheitliche Bedenken gegenüber den genutzten Zuckeralkoholen geäußert. Allerdings kann ein übermäßiger Verzehr von Zuckeralkohole eine abführende Wirkung haben. Sobald ein Lebensmittel mehr als 10% Zuckeralkohole enthält, so muss der Hinweis „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ aufgeführt werden. In Tabelle 2 ist eine Übersicht der Zuckeralkohole, die E-Nummern und die Bewertung nach SCF und EFSA aufgeführt.

Tabelle 2: Auflistung der in der EU zugelassenen Polyole, E-Nummern und Bewertung der einzelnen Zuckerersatzstoffe. Sofern nicht anders angegeben gilt die Bewertung nach dem Scientific Committee on Food (SCF). Bewertungen nach der European Food Safety Authority (EFSA) sind als solche gekennzeichnet.

E-Nummer Süßstoff Bewertung
E 420 Sorbit „Acceptable“
E 421 Mannit „Acceptable“
E 953 Isomalt „Acceptable“
E 964 Polyglycitolsirup „No indications of a safety concern for the proposed uses and use levels“ (EFSA)
E 965 Maltit „Acceptable“
E 966 Lactit „Acceptable“
E 967 Xylit „Acceptable“
E 968 Erythrit „Acceptable“ (EFSA)

 

Insgesamt erscheinen Zuckeralkohole also, in Maßen (!), als eine gute Alternative für Zucker. Bisweilen gibt es auch keine wissenschaftliche Studien, die von negativen gesundheitlichen Auswirkungen berichten. Lediglich im Zusammenhang mit Xylit gibt es einige Studien zu finden. Diese zeigen allerdings nur, dass Xylit eine positive Auswirkung auf die Mundflora hat und der Bildung von Karies vorbeugen kann (Burt et al. 2006, Milgrom et al. 2009). Langzeitstudien bleiben allerdings noch abzuwarten.

Mein Fazit: Zusammenfassend sind diese Ergebnisse zum Thema Süßstoffe und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit ziemlich ernüchternd. Nichtsdestotrotz gilt auch hier ähnliches wie beim Konsum von Haushaltszucker: die Menge macht es! Da Süßstoffe ohnehin sehr viel süßer als herkömmlicher Zucker sind, konsumieren die meisten Menschen unbedenkliche Mengen Süßstoff. Wer allerdings viel Süßstoff verwendet oder auch viele mit Süßungsmitteln gesüßte Getränke trinkt, der sollte seinen Konsum nochmal stark überdenken.

Ich persönlich nehme Süßstoffe nur über Proteinpulver zu mir, da das Pulver was ich verwende eben mit Süßstoffen gesüßt wird. Im Alltag und vor allem beim Backen verwende ich vor allem Honig und seit einiger Zeit auch den Zuckeralkohol Xylit.

 

Quellen:

https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/sweeteners

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Blackburn, G. L., Kanders, B. S., Lavin, P. T., Keller, S. D., & Whatley, J. (1997) The effect of aspartame as part of a multidisciplinary weight-control program on short-and long-term control of body weight. The American Journal of Clinical Nutrition, 65(2), 409-418.

Burt, B. A. (2006) The use of sorbitol-and xylitol-sweetened chewing gum in caries control. The Journal of the American Dental Association, 137(2), 190-196.

Capen, C.C., Dybing, E., Rice, J.M., Wilbourn, J.D. (1999) Species differences in thyroid, kidney and urinary bladder carcinogenesis. IARC Scientific Publications, 147

Cartwright, R.A., Adib, R., Glashan, R., Gray, B.K. (1981) The epidemiology of bladder cancer in West Yorkshire. A preliminary report on non-occupational aetiologies, Carcinogenesis, 2, 343-347

Gallus, S., Scotti, L., Negri, E., Talamini, R., Franceschi, S., Montella, M., Giacosa. A., Dal Maso L., La Vecchia, C. (2007). Artificial sweeteners and cancer risk in a network of case–control studies. Annals of Oncology, 18(1), 40-44.

Fowler, S. P., Williams, K., Resendez, R. G., Hunt, K. J., Hazuda, H. P., & Stern, M. P. (2008). Fueling the obesity epidemic? Artificially sweetened beverage use and long‐term weight gain. Obesity, 16(8), 1894-1900.

Hoover, R.N., Strasser, P.H. (1980) Artificial sweeteners and human bladder cancer. Preliminary results, Lancet, 1, 837-840

Lavin, J. H., French, S. J., & Read, N. W. (1997). The effect of sucrose-and aspartame-sweetened drinks on energy intake, hunger and food choice of female, moderately restrained eaters. International journal of obesity, 21(1), 37-42.

Milgrom, P., Ly, K. A., Tut, O. K., Mancl, L., Roberts, M. C., Briand, K., & Gancio, M. J. (2009). Xylitol pediatric topical oral syrup to prevent dental caries: a double-blind randomized clinical trial of efficacy. Archives of pediatrics & adolescent medicine, 163(7), 601-607.

Suez, J., Korem, T., Zeevi, D., Zilberman-Schapira, G., Thaiss, C. A., Maza, O.,Israeli, D., Zmora, N., Gilad, S., Weinberger, A., Kuperman, Y., Harmelin, A., Kolodkin-Gal, I., Shapiro, H., Halpern Z., E. Segal and E. Elinav  (2014). Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gut microbiota. Nature, 514(7521), 181-186.

Swithers, S. E., and T. L. Davidson (2008). A role for sweet taste: calorie predictive relations in energy regulation by rats. Behavioral neuroscience, 122(1), 161.

Weihrauch, M. R., Diehl, V. (2004). Artificial sweeteners—do they bear a carcinogenic risk?. Annals of Oncology, 15(10), 1460-1465.

Wynder, E.L., Stellman, S.D. (1980) Artificial sweetener use and bladder cancer: a case–control study, Science , 207, 1214-1216

 

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